Magdeburg

BITTE SPREADEN! Offener Brief der Seebrücke Magdeburg

+++43.000 geflüchtete Menschen leiden auf den griechischen Inseln und werden von der EU ignoriert. Wir fordern: EVAKUIEREN STATT IGNORIEREN!+++

Sehr geehrte Abgeordnete des Landtages Sachsen-Anhalt,

sehr geehrte Stadträt*innen von Magdeburg,

die Lage der geflüchteten Menschen in den Lagern auf den griechischen Inseln verschärft sich immer weiter. Allein im Januar diesen Jahres sind dort über 3.000 Menschen angekommen. Griechenland ist damit vollkommen überfordert, wird von der EU jedoch weiterhin im Stich gelassen. Die Leidtragenden dieser Ignoranz sind vor allem die Menschen in den Lagern.

Besonders grausam haben sich die Bedingungen in Moria auf Lesbos entwickelt, wo Pro Asyl von menschenverachtenden Zuständen berichtet. Das Lager war ursprünglich für 3.000 Menschen ausgelegt, inzwischen leben dort jedoch 21.000 Menschen in ständiger Unsicherheit und kontinuierlich erreichen neue Boote die Insel. Schlafen müssen die Menschen in behelfsmäßigen, nicht winterfesten Zelten, und das zum Teil bei Minusgraden und Regen. Hinzu kommen katastrophale hygienische Zustände, sodass sich beispielsweise 200 Menschen eine Dixi-Toilette teilen müssen.

Nach Angaben der Nationalen Organisation für Öffentliche Gesundheit gibt es in Moria lediglich drei Ärzt*innen, acht Krankenpfleger*innen, acht Psycholog*innen, vier Sozialarbeiter*innen, zwei Geburtshelfer*innen, einen Rettungssanitäter und einen Krankenwagenfahrer. Das reicht nicht aus, um die unzähligen medizinischen Notfälle zu versorgen. Ein Zustand, der vor allem bei Kindern, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Frauen* und Schwangeren Menschen zu dramatischen Folgen führt. »Das Lager befindet sich täglich in einer Notsituation«, stellte Médecins Sans Frontières (MSF) fest. Die Organisation betreibt auf der Insel eine Kinderklinik, welche jeden Tag mit Kindern gefüllt ist, die aufgrund der katastrophalen Zustände unter psychischen Störungen, Fieber, Husten und Magen-Darm Problemen leiden.

Hinzu kommt, dass sich auf der Insel gerade einmal 25 Asylanwält*innen und sieben Dolmetscher*innen befinden, so dass die Chance der ,,Hölle Moria“ schnell zu entfliehen, extrem gering ist und die eh schon langen Bearbeitungszeiten immer länger werden. Diese katastrophalen Zustände kosteten allein von September 2019 bis Januar 2020 mindestens 7 Menschen das Leben.

Doch die Lage ist nicht nur in Moria verheerend. Auf den griechischen Inseln Lesbos, Chios, Kos, Leros und Samos leben zurzeit mehr als 43.000 Menschen in diesem gefährlichen und kaum aushaltbaren Wartezustand und täglich werden es mehr. Griechenland bittet schon seit Jahren um Hilfe, doch die EU ignoriert lieber, anstatt zu helfen.

Wir fordern: Die EU, besonders Deutschland, muss endlich evakuieren, statt zu ignorieren! In Deutschland haben bereits 7 Bundesländer und über30 Städte und Kommunen die Aufnahme zugesagt. Magdeburg muss jetzt dem Antrag Sicherer Hafen, den die Stadt im November 2019 beschlossen hat, umsetzen und ebenfalls sofort ein Kontingent schaffen und sich für die Aufnahme bereit machen. Da das Bundesinnenministerium aber weiterhin die direkte Aufnahme blockiert, müssen jetzt vor allem die Länder Druck ausüben! In Sachsen-Anhalt sind bereits Halle und Magdeburg Sichere Häfen. Wir fordern das Land auf gemäß §23 Abs. 1 Aufenthaltsgesetz ein Landesaufnahmeprogramm für die Menschen auf den griechischen Inseln einzurichten. Außerdem soll das Land sich beim Bund für die Aufnahme einsetzen und Druck ausüben. Dabei kann es sich z.B. Berlin, Hamburg oder Baden-Württemberg anschließen.

Die bisherige Ignoranz der europäischen Politik kann nicht länger so weitergehen. Evakuieren statt Ignorieren! Das Bundesinnenministerium muss die Blockadehaltung aufgeben!

Den vollständigen Bericht von Pro Asyl, vom 24.01.2020 über den Albtraum Moria finden Sie hier: https://www.proasyl.de/news/albtraum-moria/.