Gütersloh/Oelde

Pressemitteilung

Osterüberraschung für den Gütersloher Stadtrat

 

In den Tagen vor Ostern finden alle Mitglieder des Gütersloher Stadtrates einen orangen Stein auf ihrem Grundstück. Was hat das zu bedeuten?

Anne Haverland, Seebrücke Lokalgruppe Gütersloh schreibt dazu:

„Die Erinnerungen an frühere Zelturlaube stecken mir noch in den Knochen – Schlechte Laune bei Regen! Aber immerhin die Option, weiter zu reisen oder in einem B&B ein trockenes Plätzchen zu finden. Und die Aussicht auf ein gemütliches Zuhause.

Dagegen die Bilder von simplen Wurfzelten in griechischen Flüchtlingslagern! Mit Tausenden von meist jungen Menschen, die keine andere Option haben, als dort auszuharren, bis WIR ENDLICH HANDELN!

Es sind Menschen, die in den griechischen Lagern unter katastrophalen hygienischen Bedingungen leben müssen, unter ihnen ganz viele Kinder. Sie können die strengen Corona-Hygienevorschriften nicht einhalten, denn es gibt nicht einmal sauberes Trinkwasser. Abstand zu halten ist nicht möglich, wenn 30.000 Menschen in Zeltstädten eng zusammengepfercht leben müssen, die eigentlich nur für 3.000 geplant waren. Wenn für 170 Menschen eine Toilette vorhanden ist, so mag jeder ermessen, was das bedeutet. Die Geflüchteten in Moria sind Corona hilflos ausgeliefert.

Diese Menschen, die durch Krieg und Bürgerkrieg schon einmal traumatisiert wurden, sind die Verlorenen am Rande Europas. 8.000 Kinder auf Lesbos warten auf ein Zeichen unserer Solidarität.

Wir dürfen sie nicht vergessen. Wie ernst wir es mit den Menschenrechten nehmen zeigt sich daran, wie wir mit den schutzlosesten unter den Geflüchteten umgehen: den Kindern, die ohne Eltern sich selbst und den drohenden Krankheiten überlassen sind.

Auch durch unsere Stadt sollte die für den 16. Mai geplante Rettungskette für Menschenrechte und Menschenwürde führen! Ein 10 Kilometer langes unübersehbares Zeichen der Solidarität mit den von Europa ignorierten Menschen auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und bitterster Armut! Der Termin wurde verschoben. Wie unendlich viele Veranstaltungen.

Hier in all unserer Bequemlichkeit, unserem Wohlstand und der allzeitigen Verfügbarkeit aller Güter aus aller Welt erfahren wir zum ersten Mal ein Gefühl von Unsicherheit, Ungewissheit, Angst um Gesundheit und Arbeit; unsere Gedanken kreisen um eine unsichere Zukunft. Jeden Tag erfahren wir Neues aus der Virologie, Verhaltensmaßregeln werden erklärt und umgesetzt.

Und wir sehen zu, wie Grenzbäume wieder errichtet werden in unserem Europa!

Schulen und Kitas sind geschlossen, die Länder schotten sich gegeneinander ab.

Wir nehmen die Zahlen und Statistiken der Nachrichtensendungen mit Grauen und Gänsehaut zur Kenntnis. Stumpfen wir vielleicht schon etwas ab? Bis wir auch jemanden in unserem Bekanntenkreis oder der Familie haben, der oder die von Covid19 unmittelbar getroffen wird. Masken werden genäht, Regenbogen an die Fensterscheiben gemalt, Einkaufsteams organisiert, musikalische und sonstige künstlerische Beiträge „aus dem Wohnzimmer“ angeschaut. Ganze Berufszweige werden für unbestimmte Zeit nicht mehr benötigt, weil sie nicht „systemrelevant“ sind.

Existenzen stehen auf dem Spiel. Das ist alles schlimm!

#HÄNDEWASCHEN & #STAYATHOME

In Bielefeld an der Jahnplatzuhr hing zum Aktionstag der Seebrücke am letzten Sonntag ein Banner: You need a home to stay at home! (Du brauchst ein Zuhause, um Zuhause bleiben zu können!) und mahnte zur Evakuierung der griechischen Auffanglager.

#LEAVE NO ONE BEHIND

Lass niemanden zurück! Dieser Hinweis steht auf den oben erwähnten orangen Steinen für unseren Gütersloher Stadtrat. Es soll eine Mahnung und für einige sogar Stein des Anstoßes sein! Seit September 2019 ist Gütersloh sogenannter Sicherer Hafen: Das bedeutet, dass eine Mehrheit des Rates sich dafür ausgesprochen hat, dass unsere Stadt mehr als die in einem Kontingent der Regierung angeordneten Geflüchteten aufnehmen würde.

Aber auch nach dem Flashmob WIR HABEN PLATZ einiger AktivistInnen vor der Ratssitzung am 7. März (Die Zeitungen berichteten) hat sich nicht spürbar etwas verändert. Immerhin lässt man 50 Junge Menschen einreisen! Kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein…

Liebe Gütersloher und Gütersloherinnen! Wir dürfen nicht mehr warten!

Denn gerade in „Corona-Zeiten“, wie es jetzt überall heißt, müssen wir unsere Verantwortung für unsere Mitmenschen in die Hand nehmen.

Es gibt auf den Internetseiten der Seebrücke, Sea-watch und Rettungskette wichtige Informationen, viele kreative Ideen, die uns inspirieren können und auch vorgeschlagene Texte, die wir an die deutschen Bischöfe und PolitikerInnen senden können.

Und ich freue mich auf eine lange Menschenkette! Seien Sie aufmerksam, wenn der neue Termin bekannt gegeben wird. Oder melden Sie sich oder eine Gruppe schon heute an unter: handinhandgt@gmx.de

Für ein Europa der grenzüberschreitenden Solidarität. Für ein Europa, das ein Herz für Geflüchtete zeigt!