Überblick über zivile Seenotrettungsschiffe

Freie zivile Seenotrettungsschiffe:

ALAN KURDI von Sea-Eye e.V.
Die Alan Kurdi fährt seit Ende 2018 unter deutscher Flagge Missionen im zentralen Mittelmeer und hat seitdem über 200 Menschen aus Seenot gerettet.  Sea-Eye kooperiert mit der spanischen Hilfsorganisation ProeM Aid.
Am 1.9.19 rettete die Crew der Alan Kurdi 13 Menschen, die sich auf einem Holzboot befanden. 8 von den 13 Geretteten sind minderjährig. Da sie sich in maltesischem Hoheitsgewässer befanden, forderte der Verein die maltesischen Behörden auf, einen Hafen zum Einlaufen zu bestimmen. Malta verweigert dies und verweist auf Deutschland, während auch die italienischen Häfen geschlossen bleiben. Die Situation an Bord ist angespannt, manche leiden unter Angstattacken und haben Suizidgedanken. Fünf der geretteten Menschen durften das Schiff mittlerweile verlassen, die anderen acht müssen noch ausharren. Einige leiden unter anhaltender Seekrankheit, andere haben vor Tagen aufgehört zu essen. (Stand: 08.09.19)

OCEAN VIKING von SOS Mediterranee & MSF
Nach über einem Jahr Einsatzpause fahren SOS Mediterranee in Kooperation mit MSF (Ärzte ohne Grenzen) mit einem gecharterten Schiff wieder Seenotrettungseinsätze. Die Ocean Viking fährt unter norwegischer Flagge. In ihrer ersten Mission konnte die Crew der Ocean Viking 365 Menschen das Leben retten.
Am 2.9.19 brach das Rettungsschiff von Marseille aus zu ihrer zweiten Mission auf. In einer dreistündigen Rettungsaktion konnte die Crew der Ocean Viking 50 Menschen von einem Schlauchboot in Seenot retten. Darunter befinden sich 12 Minderjährige und eine schwangere Frau. In der Nacht vom 9. auf den 10.9. nahm die Crew der Ocean Viking 34 gerettete Menschen auf, die zuerst von der Crew der Josefa der NGO Resqship gesichtet und erstversorgt wurden. (Stand 10.09.19)

MARE LIBERUM von Mare Liberum e.V.
Die Mare Liberum ist ein Beobachtungs- und Dokumentationsschiff. In der Ägäis leistet die Crew Menschenrechtsbeobachtungen. Ziel ist die Aufmerksamkeit auf die gefährliche Fluchtroute zwischen der Türkei und Griechenland zu lenken. Das deutsche Bundesverkehrsministerium entließ eine Festsetzungsverfügung. In einem Eilverfahren entschied das Verwaltungsgericht Hamburg die Unrechtmäßigkeit dieser Festsetzung. Am 19.05.19 stach die Mare Liberium wieder in See und klärt seitdem über die Lage in der Ägais auf. (Stand: 29.06.19)

JOSEFA von Resqship
Die NGO verfügt seit März 2018 verkündete die NGO über eine Segelyacht, die speziell ausgerüstet ist für Aufklärungsmissionen. Die Yacht ist explizit kein Rettungsschiff, aber die Crew ist in der Lage, im Notfall Menschen mit Rettungsmitteln zu sichern und Hilfe zu organisieren.
Am 09.09.19 rettete die Crew der Josefa während einer Beobachtungsmission 34 Menschen von einem kleinen Schlauchboot. Nach erfolgter Erstversorgung bat die Crew die offizielle Stelle in Tripolis, die Geretteten der Ocean Viking übergeben zu dürfen. Eine Antwort blieb aus. Aufgrund eines aufziehenden Gewitters war die Sicherheit der Menschen an Bord der Josefa nicht mehr gewährleistet, sodass sie dann schließlich von der Ocean Viking übernommen wurden. (Stand: 10.09.19)

Einsatzfähige, aber blockierte Schiffe:

ELEONORE von Mission Lifeline e.V.
Die Eleonore ist ein Sportboot mit deutscher Flagge und wurde Claus-Peter Reisch übereignet.
Bei ihrem ersten Einsatz konnte die Eleonore am 26.08.19 über 100 Menschen aus Seenot retten. Dabei wurden sie von der sogenannten libyschen Küstenwache bedroht. Die italienischen Häfen bleiben nach Weisung Salvinis verschlossen. Reisch bat unterdessen die Bundesregierung um Vermittlung eines sicheren Hafens. Nach einwöchigem Stand-Off und zunehmend schlechterer Wetterlage rief Reisch den Notstand auf dem Schiff aus und fuhr in italienische Hoheitsgewässer ein. Daraufhin durften die Geretteten in Pozzallo, Sizilien, an Land gehen. Die Elonore wurde beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft von Ragusa nahm Ermittlungen gegen Reisch wegen des Verdachts der Begünstigung illegaler Einwanderung auf. Reisch soll, so der Verein, ein Bußgeld von 300.000 Euro zahlen. Der Verein verweist auf das Ausrufen des Notstands und geht in Widerspruch. (Stand: 08.09.19)

OPEN ARMS von Proactivia Open Arms
Die Open Arms ist seit Juli 2017 im zentralen Mittelmeer im Einsatz und fährt unter spanischer Flagge. Die NGO hat über 20.000 Menschen aus Seenot gerettet. Ende Juli brach die Open Arms ins zentrale Mittelmeer auf. In zwei Rettungsmissionen nahm die Open Arms insgesamt 121 Menschen an Bord. In der Nacht zum 10.08. rettete die Open Arms weitere 39 Menschen aus Seenot. Da diese Rettung in maltesischen Hoheitsgewässern durchgeführt wurde, dürften die 39 Menschen in Malta an Land gehen, die anderen 121 Gäste der Open Arms jedoch nicht. Auf dem Schiff entstand eine bedrohliche Sicherheitslage, sodass die NGO das Angebot Maltas ablehnte. Während des Stand-Offs verschlimmerte sich der Zustand der Menschen zusehends. Es wurden mehrere Notevakuierungen vorgenommen. Einige Menschen versuchten Lampedusa schwimmend zu erreichen. Die spanische Regierung bot der Open Arms an auf Palma de Mallorca anzulanden, aber die mehrtägige Fahrt war für die geretteten Menschen und die Crew nicht zumutbar. Nach über dreiwöchigem Stand-Off verordnete die sizilianische Staatsanwaltschaft sowohl die Anlandung als auch die Beschlagnahmung des Schiffes. (Stand 27.08.19)

SEA-WATCH 3 von Sea-Watch e.V.
Seit 2017 ist die Sea Watch 3 im Einsatz und an der Rettung von über 3.000 Menschen beteiligt. Ihr Einsatzgebiet befindet sich in dem internationalen Gewässer vor der libyschen Küste. Am 12.06.19 rettete die Crew in Kooperation mit der Colibri 53 Menschen aus Seenot. Jedoch verweigerte Italien den Geretteten einen Port of Safety. Trotz Einfuhrverbots fuhr Kapitänin Carola Rackete in den Hafen von Lampedusa. Sie rief zuvor den Notstand auf dem Schiff aus, weil sie für die Sicherheit der Geretteten nicht mehr garantieren konnte. Rackete wurde zunächst unter Hausarrest gestellt. Die Staatsanwaltschaft von Agrigent vernahm die Kapitänin wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und des Widerstands gegen ein Kriegsschiff. Rackete wird nicht länger Teil der Sea-Watch Crew sein. Die Sea-Watch 3 ist beschlagnahmt und liegt im Hafen von Licata, Italien. (Stand: 21.07.19)

MARE JONIO von Mediterranea Saving Humans
Die Mare Jonio ist in erster Linie ein Beobachtungsschiff. Sie ist aber auch in der Lage Seenotrettungsoperationen durchzuführen.

Die Mare Jonio wurde beschlagnahmt und gegen den Verein ein Bußgeld von 300.000 Euro verordnet. Dabei beziehen sich die italienischen Behörden auf Salvinis “Sicherheitsdekret”. MSH weist die Vorwürfe entschieden zurück, da sie die Genehmigung hatten in italienisches Hoheitsgewässer einzufahren.

ALEX von Mediterranea Saving Humans
Die Alex ist ein Begleitboot der Mare Jonio von Mediterranea Saving Humans. Da die Mare Jonio weiterhin blockiert wird, machte sich das Dokumentions- und Beobachtungsschiff auf den Weg zur libyschen SAR-Zone und rettete 54 Menschen aus Seenot. Trotz eines Einfuhrverbots fuhr das Segelschiff in den Hafen von Lampedusa. Eine Überfahrt nach Malta – wie von Salvini gefordert – wäre für die Crew und die geretteten Menschen zu gefährlich gewesen. Die Alex ist beschlagnahmt und gegen den italienischen Kapitän Tommasso Stella wird ermittelt. (Stand: 21.07.19)

IUVENTA von Jugend Rettet e.V.
Die Iuventa startete im Juli 2016 von Malta aus ihre erste Rettungsmission, insgesamt fuhren die Crews des Schiffes 15 Rettungsmissionen und retteten 14.000 in Seenot geratene Menschen. Seit dem 1. August 2017 wird das Schiff in Catania, Italien, beschlagnahmt. Jugend Rettet e.V. scheiterte im April 2018 mit ihrem Widerspruch gegen die Beschlagnahmung. Seit dem Sommer 2018 ermitteln die italienischen Behörden gegen zehn Crewmitglieder. Der Vorwurf lautet Beihilfe zur illegalen Migration und es drohen bis zu 20 Jahren Haft. (Stand 26.02.2019)

LIFELINE von Mission Lifeline e.V.
Seit September 2016 war die Lifeline im Einsatz.
Im Juni 2018 wurde das Schiff auf Malta festgesetzt, und ihr Kapitän Claus-Peter Reisch angeklagt. Die maltesischen Behörden werfen ihm vor, unter falscher Flaggenzertifizierung gefahren zu sein. Am 14.05.19 entschied das maltesische Gericht, Reisch zu einer Strafe von 10.000 Euro zu verurteilen. Das Geld solle an lokale Hilfsorganisationen gezahlt werden. Er wird gegen das Urteil Berufung einlegen. Die Lifeline ist aufgrund der Fortsetzung des Prozesses weiterhin beschlagnahmt. (Stand 14.05.2019)

AITA MARI von Salvamento Maritimo Humanitario
Die Aita Mari darf den Hafen von Bilbao, Spanien, nicht verlassen. Analog zur Open Arms unterstellen die Behörden eine mangelnde Ausstattung für den Transport von vielen Menschen. Die Eignung zur Seenotrettung wird nicht in Frage gestellt. (Stand: 26.02.19)