Überblick über zivile Seenotrettungsschiffe

Freie zivile Seenotrettungsschiffe:

OCEAN VIKING von SOS Mediterranee & MSF
Nach über einem Jahr Einsatzpause fahren SOS Mediterranee in Kooperation mit MSF (Ärzte ohne Grenzen) mit einem gecharterten Schiff wieder Seenotrettungseinsätze. Die Ocean Viking fährt mit norwegischer Flagge und befindet sich momentan auf dem Weg ins zentrale Mittelmeer. (21.07.19)

OPEN ARMS von Proactivia Open Arms
Die Open Arms ist seit Juli 2017 im zentralen Mittelmeer im Einsatz und fährt unter spanischer Flagge. Die NGO hat über 20.000 Menschen aus Seenot gerettet. Nach längerer Blockade des Schiffes durch die spanische Regierung fährt die Open Arms ihre zweite Mission in diesem Jahr und befindet sich im zentralen Mittelmeer. (Stand 21.07.19)

ALAN KURDI von Sea-Eye e.V.
Die Alan Kurdi fährt seit Ende 2018 unter deutscher Flagge Missionen im zentralen Mittelmeer und hat seitdem über 200 Menschen aus Seenot gerettet.  Sea-Eye kooperiert mit der spanischen Hilfsorganisation ProeM Aid. Momentan liegt die Alan Kurdi im Hafen von Palma de Mallorca und wird in den nächsten Tagen wieder in die SAR-Zone im zentralen Mittelmeer aufbrechen. (Stand: 21.07.19)

MARE LIBERUM von Mare Liberum e.V.
Die Mare Liberum ist ein Beobachtungs- und Dokumentationsschiff. In der Ägäis leistet die Crew Menschenrechtsbeobachtungen. Ziel ist die Aufmerksamkeit auf die gefährliche Fluchtroute zwischen der Türkei und Griechenland zu lenken. Das deutsche Bundesverkehrsministerium entließ eine Festsetzungsverfügung. In einem Eilverfahren entschied das Verwaltungsgericht Hamburg die Unrechtmäßigkeit dieser Festsetzung. Am 19.05.19 stach die Mare Liberium wieder in See und klärt seitdem über die Lage in der Ägais auf. (Stand: 29.06.19)

Einsatzfähige, aber blockierte Schiffe:

SEA-WATCH 3 von Sea-Watch e.V.
Seit 2017 ist die Sea Watch 3 im Einsatz und an der Rettung von über 3.000 Menschen beteiligt. Ihr Einsatzgebiet befindet sich in dem internationalen Gewässer vor der libyschen Küste. Am 12.06.19 rettete die Crew in Kooperation mit der Colibri 53 Menschen aus Seenot. Jedoch verweigerte Italien den Geretteten einen Port of Safety. Trotz Einfuhrverbots fuhr Kapitänin Carola Rackete in den Hafen von Lampedusa. Sie rief zuvor den Notstand auf dem Schiff aus, weil sie für die Sicherheit der Geretteten nicht mehr garantieren konnte. Rackete wurde zunächst unter Hausarrest gestellt. Die Staatsanwaltschaft von Agrigent vernahm die Kapitänin wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und des Widerstands gegen ein Kriegsschiff. Rackete wird nicht länger Teil der Sea-Watch Crew sein. Die Sea-Watch 3 ist beschlagnahmt und liegt im Hafen von Licata, Italien (Stand: 21.07.19)

MARE JONIO von Mediterranea Saving Humans
Die Mare Jonio ist in erster Linie ein Beobachtungsschiff. Sie ist aber auch in der Lage Seenotrettungsoperationen durchzuführen. Am Morgen des 7. Mai verließ die Mare Jonio den Hafen von Lampedusa. Ihr Einsatzgebiet ist die SAR-Zone vor den libyschen Hoheitsgewässern. Am 09.05.19 rettete die Mare Jonio 30 Menschen aus Seenot. Die Menschen durften in Lampedusa an Land gehen. Das italienischen Innenministerium  beschlagnahmte das Schiff mit der Begründung der Beihilfe zur illegalen Einwanderung. Die Staatsanwaltschaft von Agrigento lehnt jedoch eine vorbeugende Beschlagnahmung ab. (Stand: 14.05.19)

ALEX von Mediterranea Saving Humans

Die Alex ist ein Begleitboot der Mare Jonio von Mediterranea Saving Humans. Da die Mare Jonio weiterhin blockiert wird, machte sich das Dokumentions- und Beobachtungsschiff auf den Weg zur libyschen SAR-Zone und rettete 54 Menschen aus Seenot. Trotz eines Einfuhrverbots fuhr das Segelschiff in den Hafen von Lampedusa. Eine Überfahrt nach Malta – wie von Salvini gefordert – wäre für die Crew und die geretteten Menschen zu gefährlich gewesen. Die Alex ist beschlagnahmt und gegen den italienischen Kapitän Tommasso Stella wird ermittelt. (Stand: 21.07.19)

IUVENTA von Jugend Rettet e.V.
Die Iuventa startete im Juli 2016 von Malta aus ihre erste Rettungsmission, insgesamt fuhren die Crews des Schiffes 15 Rettungsmissionen und retteten 14.000 in Seenot geratene Menschen. Seit dem 1. August 2017 wird das Schiff in Catania, Italien, beschlagnahmt. Jugend Rettet e.V. scheiterte im April 2018 mit ihrem Widerspruch gegen die Beschlagnahmung. Seit dem Sommer 2018 ermitteln die italienischen Behörden gegen zehn Crewmitglieder. Der Vorwurf lautet Beihilfe zur illegalen Migration und es drohen bis zu 20 Jahren Haft. (Stand 26.02.2019)

LIFELINE von Mission Lifeline e.V.
Seit September 2016 war die Lifeline im Einsatz.
Im Juni 2018 wurde das Schiff auf Malta festgesetzt, und ihr Kapitän Claus-Peter Reisch angeklagt. Die maltesischen Behörden werfen ihm vor, unter falscher Flaggenzertifizierung gefahren zu sein. Am 14.05.19 entschied das maltesische Gericht, Reisch zu einer Strafe von 10.000 Euro zu verurteilen. Das Geld solle an lokale Hilfsorganisationen gezahlt werden. Er wird gegen das Urteil Berufung einlegen. Die Lifeline ist aufgrund der Fortsetzung des Prozesses weiterhin beschlagnahmt. (Stand 14.05.2019)

AITA MARI von Salvamento Maritimo Humanitario
Die Aita Mari darf den Hafen von Bilbao, Spanien, nicht verlassen. Analog zur Open Arms unterstellen die Behörden eine mangelnde Ausstattung für den Transport von vielen Menschen. Die Eignung zur Seenotrettung wird nicht in Frage gestellt. (Stand: 26.02.19)