9. September 2020 In Moria verbrennt auch die Europäische Idee

Im Flüchtlingslager Moria sind in der letzter Nacht zahlreiche Brände ausgebrochen. Große Teile des Camps wurden dabei vollständig zerstört. Die meisten Menschen haben das Lager auf der Flucht vor dem Feuer verlassen und sind jetzt obdachlos, einige Menschen befinden sich noch im Camp. Die Zustände in Moria und den anderen Lagern auf den griechischen Inseln sind seit Jahren katastrophal. In der letzten Woche sind die ersten Fälle von Corona aufgetreten, das Lager sollte umzäunt werden. Dies hat die Lage im Camp noch einmal verschärft.

Erst am Montag installierte die Seebrücke gemeinsam mit mehreren anderen Organisationen 13.000 Stühle vor dem Bundestag und machte so auf die gefährliche Situation an den EU-Außengrenzen aufmerksam. Zentrale Forderung ist die sofortige Evakuierung aller Lager. Die Aktion traf auf breite Unterstützung aus Politik, Zivilgesellschaft und den sozialen Medien. Die Seebrücke hat in den letzten zwei Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass es eine große Bereitschaft gibt, zu helfen. Das gilt für über 180 Städte und Kommunen,  die sich zu “Sicheren Häfen” erklärt haben, viele Bundesländer und die Zivilgesellschaft.

Sebastian Koch von der Seebrücke: ”Wir warnen seit langer Zeit vor einem solchen Szenario. Erst am Montag haben wir vor dem Bundestag darauf aufmerksam gemacht, dass eine solche Katastrophe nur eine Frage der Zeit ist. Europa und auch Deutschland haben versagt. Wir hätten handeln können. In Moria ist auch der europäische Gedanke der Solidarität verbrannt.”

Liza Pflaum von der Seebrücke: “Das Leid der geflüchteten Menschen ist unerträglich. Wir fordern eine sofortige Evakuierung aller Geflüchtetenlager auf den griechischen Inseln. Wir fordern Deutschland auf, Verantwortung zu übernehmen und die Menschen sofort aufzunehmen.”

Es werden heute einige spontane Protestaktionen erwartet u.a. in Berlin, Köln, Leipzig und Tübingen.

Die Seebrücke ist eine breite zivilgesellschaftliche Bewegung, die sich für die zivile Seenotrettung, für sichere Fluchtwege und für die dauerhafte Aufnahme von geflüchteten Menschen in Deutschland einsetzt.

Pressekontakt:
Sebastian Koch, press@seebruecke.org
Liza Pflaum, press@seebruecke.org