3. März 2020 Europa darf keine Politik auf dem Rücken Schutzbedürftiger machen – Grenzen jetzt öffnen!


  • Menschenrechte sind unverhandelbar und enden nicht an europäischen Außengrenzen, Lager in Griechenland und anderen Staaten an den EU-Außengrenzen schließen und Menschen sofort evakuieren
  • Grenzen jetzt öffnen, die Bundesregierung muss sich dafür einsetzen, dass die EU die griechisch-türkische Grenze öffnet und die Menschen auf der Flucht ungehindert einreisen lässt
  • Europa darf sich nicht von Erdogan erpressen lassen und muss den EU-Türkei-Deal aufkündigen


Tausende Menschen sitzen unter unmenschlichen Zuständen an der türkischen Grenze und auf den griechischen Inseln fest. Griechische und europäische Behörden setzen brutale Gewalt gegen schutzlose Menschen ein. Gestern starb vor der Küste Lesbos bereits ein Kind bei der Überfahrt aus der Türkei, mehrere Journalist*innen und Hilfsorganisationen werden auf der Insel von Rechtsextremen angegriffen und bedroht. Lesbos scheint sich zu einem rechtsfreien Raum in Europa zu entwickeln.

“Europa schottet sich ab und das um jeden Preis. Geflüchtete Menschen werden hier zum Spielball politischer Interessen gemacht. Die aktuelle Eskalation in Griechenland ist nicht allein die Verantwortung der griechischen oder türkischen Regierung, sondern die einer EU, die Griechenland seit Jahren alleine lässt und sich erpressbar macht. Auch wenn es angesichts des unerträglichen Leids vor Ort unmöglich scheint, wird sich die Situation in den nächsten Tagen weiter verschärfen. Dieses Elend muss ein Ende finden“, so Sebastian Koch von der SEEBRÜCKE.

Über 140 deutsche Städte und Kommunen stehen bereit, Menschen aus Griechenland aufzunehmen.

„Wir können nicht weiter zuschauen, wenn griechisches Militär und Frontex an der türkischen Grenze mit Tränengas, Blendgranaten und Wasserwerfern auf Kinder, Frauen und Männer schießen. Deshalb rufen wir für die gesamte Woche zu überregionalen Aktionen und Demos auf“, sagt Anja Sportelli von der SEEBRÜCKE. „Bereits innerhalb eines Tages sind über 30 Aktionen angekündigt – weitere folgen über das gesamte Bundesgebiet.“

Schon am Montag gab es Demonstrationen in Leipzig und Dresden mit über 1000 Teilnehmenden. Heute und morgen folgen Kundgebungen und Mahnwachen u.a. in: Berlin, Hamburg, München und Köln.

Die Friedensnobelpreisträgerin EU muss endlich zu ihren Werten stehen – auch an den Außengrenzen. Menschenrechte müssen immer die höchste Priorität haben und können nicht einfach ausgesetzt werden. Dass Griechenland öffentlich erklärt, das Asylrecht für einen Monat auszusetzen, muss europaweit von allen demokratischen Parteien verurteilt werden!

Auf Lesbos wird klar – die Gefahr geht nicht von Geflüchteten aus, sondern von Rechtsextremen, Grenzschutz und all ihren Kompliz*innen in der Politik Europas.

Die SEEBRÜCKE ist eine breite zivilgesellschaftliche Bewegung, die sich für die zivile Seenotrettung, für sichere Fluchtwege und für die dauerhafte Aufnahme von geflüchteten Menschen in Deutschland einsetzt.