12. Oktober 2020 Zerstörung und Räumung in Calais

Während wir mit vielen anderen Gruppen und Zivilpersonen die Evakuierung der Lager auf den griechischen Inseln fordern, wurden die informellen Camps in Calais und Dünkirchen erneut bei einer brutalen Räumungsaktion zerstört. Es handelt sich um die größte und brutalste Räumung der Camps von geflüchteten Menschen in Nordfrankreich seit der Zerstörung des „Jungle“ 2016. 

Am frühen Morgen des 29.09. begann die französische Polizei unangekündigt damit, persönliches Eigentum der geflüchteten Menschen, darunter Zelte, Schuhe, Schlafsäcke, Handys und Dokumente, zu zerstören oder zu beschlagnahmen. Etwa 650 von den rund 800 Menschen, die in dem Camp verweilten, wurden in Bussen teils bis an die spanische Grenze gebracht. Außerdem wurden 34 Personen ohne Aufenthaltsstatus festgenommen. Wie auf Lesbos setzte auch die französische Polizei bei der Aktion Tränengas gegen geflüchtete Menschen ein und ging gewalttätig vor.

Schon vor dieser Räumung war die Situation der geflüchteten Menschen prekär: die informellen Camps werden alle 48 Stunden von der französischen Polizei evakuiert. Die Leute müssen dabei ihre Zelte bewegen, teilweise wird persönliches Eigentum mitgenommen und regelmäßig alles, was sich an Infrastruktur bilden könnte. Die Räumungsaktion vom Mittwoch reiht sich jedoch auch in eine Reihe weiterer, größerer Evakuierungen ein, die seit diesem Sommer immer häufiger stattfinden. Dadurch sollen die geflüchteten Menschen mehr und mehr aus der Stadt gedrängt werden.

Geflüchtete Männer, Frauen und Kinder halten sich nun vermehrt alleine oder in kleinen Gruppen an verschiedenen Orten in der ganzen Stadt, z.B. in Parks, auf Bänken oder vor Supermärkten, auf. Gerade mit dem Beginn der kalten Jahreszeit ist es untragbar, dass hunderte Menschen ohne jeglichen Schutz vor der Witterung draußen ausharren müssen.

Diese entmenschlichende und gewaltvolle Praxis der Repression durch Räumungen muss endlich ein Ende finden!
Wir fordern sichere und legale Fluchtrouten innerhalb Europas, ein Ende des Dublin-Abkommens und eine sichere, menschenwürdige Unterbringung der Menschen in Nordfrankreich!