4. Mai 2021 Überblick über die Lager auf Lesbos

Worum geht es, wenn von Moria 2.0 gesprochen wird, & was ist Kara Tepe?

Das Lager Moria wurde 2015 als „Reception and Identification Center“ (R.I.C.) in Betrieb genommen. Moria war neben Lagern auf Samos, Chios, Leros und Kos eines von 5 griechischen Registrierzentren. Das Lager war für 410, kurze Zeit später für 2.800 Personen konzipiert. Die europäische Abschottungspolitik hatte jedoch zur Folge, dass Anfang 2020 mehr als 19.000 Personen in katastrophalen humanitären Bedingungen in Moria festsaßen. Der Brand am 09. September 2020 zerstörte die Strukturen des Lagers, 12.000 Menschen wurden obdachlos.

Nach Eröffnung durch die NGO Lesvos Solidarity (2012) bot das Lager PIKPA 120 Menschen Schutz. Familien mit Kindern, besonders traumatisierte Menschen, Menschen mit Behinderung oder schwangere Personen lebten in Holzhütten mit fließend Wasser und Strom. PIKPA war ein Ort, an dem geflüchtete Menschen in Würde leben durften. Ende 2020 wurde das Lager von der griechischen Polizei geschlossen, die Menschen wurden nach Kara Tepe gebracht.

Kara Tepe entstand Ende 2015 als Lager für geflüchtete Menschen, die in Moria als „besonders schutzbedürftig“ eingestuft wurden. Rund 1.300 Personen waren in Kara Tepe in Containern untergebracht. In der vergangenen Woche wurden die Menschen in das bereits überfüllte Moria 2 zwangsumgesiedelt, mit Kara Tepe wird der letzte Ort geschlossen, an dem geflüchtete Menschen auf Lesbos in Sicherheit leben konnten.

Ist in aktuellen Berichterstattungen von „Kara Tepe“ die Rede, ist damit meist nicht das ursprüngliche Lager Kara Tepe gemeint, sondern das sich in unmittelbarer Nähe auf der gleichnamigen Halbinsel befindende Moria 2.0, ein provisorisches Zeltlager auf einem alten Truppenübungsplatz, Ausweichort nach dem Brand. Dort leben aktuell c.a. 7.500 Menschen. An sauberem Wasser, Nahrung, hygienischer und medizinischer Versorgung mangelt es an jeder Ecke. Das Lager, das auf Lesbos übrig bleibt, ist kein „neues Moria“, es ist noch menschenunwürdiger.

Darum setzen wir uns für die Evakuierung von Moria 2.0 ein – mehr als 240 deutsche Städte und Kommunen sind aufnahmebereit! Die Bundesregierung muss die Aufnahme fortsetzen!