2. November 2020 Tödliche Route im Atlantik

Laut Infomigrants sind seit Beginn dieses Jahres bereits mehr als 8200 geflüchtete Menschen auf den Kanaren angekommen. Im Vergleich dazu waren es letztes Jahr etwa 2700. Doch die Überfahrt über den Ozean birgt mehr Gefahren als über das Mittelmeer: es herrschen stärkere Strömungen und wer die Inseln verfehlt, befindet sich auf offener See. Die Überfahrt zu den nur 100 km entfernten spanischen Inseln der Kanaren erfordert Boote mit Außenmotoren und ist damit, trotz geringerer Entfernung als beispielsweise die italienische Insel Lampedusa zur tunesischen Küste, eine tödliche Gefahr für schutzsuchende Menschen.

Menschen verlassen nicht grundlos ihre Heimat, ihr Zuhause. Insbesondere in Afrika sind Fluchtgründe vielfältig, aber zweifelsfrei sind viele Menschen immer noch Opfer des rassistischen Kolonialismus der imperialistischen Mächte wie Frankreich, Spanien, England oder Deutschland. Außerdem treffen Konsequenzen des menschengemachten Klimawandels besonders hart auf die Menschen des globalen Südens, obwohl dieser ebenfalls hauptsächlich von industriellen, westlichen Ländern ausgelöst ist. Europa hat daher eine ganz besondere Verantwortung, wenn es darum geht, Menschen in Not zu helfen – insbesondere auf den Kanaren, die im Zuge der ersten imperialistischen Ausbreitungen direkt von französischen und spanischen Einsiedlern für sich beansprucht wurden.

Laut Alarm Phone sind nun innerhalb einer Woche etwa 480 Menschen bei der Überfahrt zu den kanarischen Inseln im Atlantik verunglückt oder werden vermisst. Es ist wichtig, dass wir die Gesamtheit europäischer Abschottung betrachten – im Mittelmeer, zwischen Großbritannien und Frankreich oder bei den Kanaren: Seenotrettung würde Tausenden das Leben retten, doch die EU schaut weg! Werde jetzt aktiv! WIR ALLE SIND DIE SEEBRÜCKE!