16.05.2019 um 13:00 in Erfurt, Anger Proteststaffel in Erfurt

Organisiert von der Lokalgruppe Erfurt

Was Menschen auf ihrer Flucht über das Mittelmeer tagtäglich widerfährt, ist für viele Personen in Europa gar nicht greifbar. Abgesehen von der enormen Gefahr zu kentern, sind die Flüchtenden einer unvorstellbar hohen körperlichen und psychischen Belastung durch die Flucht vor Hunger, Krieg. Armut und Verfolgung ausgesetzt.
Auch wenn man rational begreifen kann, was diese Menschen auf dem Mittelmeer erleiden müssen, so kann man es doch nicht nachfühlen.

Deshalb kann es auch nicht unser Ziel sein am 16.05., wenn ein Schlauchboot aus dem Mittelmeer in Erfurt vor dem Anger 1 steht, dieses Gefühl erzeugen zu wollen. Dies ist schlicht und einfach nicht möglich. Und doch können wir versuchen die Erlebnisse derer, die Stunden und Tage in der Enge eines solchen Bootes durchleben mussten, in die Öffentlichkeit zu tragen und das Unbegreifbare zumindest ein wenig greifbarer zu machen.

Zum Ablauf:
Am 16.05. wird es auf dem Platz vor Anger 1 einen Informationstag zum Thema Flucht geben. Den Mittelpunkt der Aktion steht Schlauchboot aus dem Mittelmeer, das im Rahmen der “Proteststaffel” (Beschreibung siehe unten momentan durch Deutschland tourt, um auf das tausendfache Sterben im Mittelmeer aufmerksam zu machen. Zudem werden wird es einen Infostand geben, sowie einen Pavillon, in dem Kurzfilme gezeigt werden sollen, die die Flucht über das Mittelmeer, sowie die Kriminalisierung von Seenotrettung zum Thema haben.
Zwischen 16 und 18 Uhr wird die Vorführung der Filme jedoch unterbrochen, um den Beiträgen einiger Redner*innen zum Thema zuhören zu können und auch lautstark unserem Ärger über die Abschottungspolitik der Europäischen Union Luft zu machen.

Nur gemeinsam können wir etwas bewegen!

Zur Proteststaffel:
Die europäische Politik nimmt tausendfach Sterben in Kauf, macht Flucht zu einem Verbrechen und verleumdet Seenotretter*innen als kriminelle Handlanger der Schlepper.
Wir wollen mit unserer Aktion Proteststaffel auf die dramatische Situation im Mittelmeer aufmerksam machen und gegen die tödliche Abschottungspolitik der EU protestieren.
Im Mittelpunkt steht das Fluchtboot aus dem Mittelmeer.
Zur Mahnung und um zu zeigen, wie viel Leid, Elend und Not die Menschen erlitten haben müssen, als sie ihr Leben und das Leben ihrer Kinder der Stabilität des Schlauchbootes anvertrauen mussten.
Das Schlauchboot wurde für einen Fluchtversuch von Libyen nach Europa eingesetzt. Verzweifelte Menschen vertrauten diesem Stück Gummi ihr Leben an und versuchten dem Schrecken der Lager in Libyen über das offene Meer zu entkommen.

Ihr Boot wurde von der EU finanzierten, sogenannten libyschen Küstenwache abgefangen und die schutzsuchenden Menschen unter europäischer Koordination aus internationalen Gewässern nach Libyen zurückgebracht. Ob sie mit anderen Booten die Flucht geschafft haben, noch in Libyen oder tot sind, werden wir nie erfahren.

Zusammen mit dem Fluchtboot wird ein Transparent ausgerollt. Alle Bürger*innen unserer Stadt sind aufgerufen mit ihrer Unterschrift auf dem Transparent ein Zeichen gegen die unmenschliche
Abschottungspolitik der EU und deren tödlichen Folgen zu setzen.
Das signierte Transparent wird zusammen mit dem Fluchtboot auf einer vorgeplanten Route für Humanität und Solidarität von Tag zu Tag in verschiedene Städte transportiert.
Motto: Art. 1 GG „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – Wir sitzen alle in einem Boot
• Wir fordern sichere Fluchtwege, Entkriminalisierung der Seenotrettung und eine humanitäre Aufnahme der Menschen, die fliehen mussten oder auf der Flucht sind.
• Wir fordern einen Notfallplan für Geflüchtete, die Möglichkeit der freiwilligen zusätzlichen Aufnahme von Schutzsuchenden in Städten und Gemeinden, die sich zu sicheren Häfen erklärt haben, Landesaufnahmeprogramme für aus Seenot gerettete Menschen und
keine Rückführung nach Libyen.