19.02.2021 um 18:00 in Potsdam, Brandenburger Tor, Potsdam Hanau Gedenkkundgebung

Organisiert von der Lokalgruppe Potsdam

PRESSEMITTEILUNG der Seebrücke Potsdam; Potsdam, 13.02.2021

Einladung zur Gedenk-Kundgebung anlässlich des Jahrestags des rassistischen Anschlags in Hanau

Wir, die Seebrücke Potsdam, laden zum 19.02.2021 zum gemeinsamen Gedenken am Brandenburger Tor in Potsdam ein.

Am 19.02.2021 ist der rechtsterroristische Anschlag in Hanau genau ein Jahr her. Wir möchten an diesem Tag den Opfern gedenken, den Hinterbliebenen und Überlebenden unsere Solidarität aussprechen und die verantwortlichen Strukturen, das Versagen der Behörden, die eine solche Tat erst zuließen, verurteilen. 

Wir folgen damit dem Aufruf der Initiative “19. Februar Hanau”, überall Gedenk-Veranstaltungen zum Jahrestag zu organisieren.

Die Gedenk-Kundgebung findet um 18 Uhr am Brandenburger Tor statt.

Dabei ist uns der Infektionsschutz, sowie die Teilhabe am Gedenken für möglichst viele Menschen sehr wichtig. Aus diesem Grund, wird es verschiedenste Möglichkeiten geben, sich am Gedenken zu beteiligen.

16-18 Uhr stilles Gedenken allein/in Kleingruppen

Kommt allein oder in Kleingruppen zum Stillen Gedenken zum Brandenburger Tor. Wir werden vor Ort Kerzen vorbereiten, die dann entzündet werden können.

18-19 Uhr Kundgebung mit Redebeiträgen 

18 Uhr findet unsere Kundgebung statt, welche mit Redebeiträgen der Opferperspektive e.V., dem Aktionsbündnis Brandenburg und Weiteren begleitet wird.

Gedenken von zu Hause

Wenn Ihr am Gedenken vor Ort nicht teilnehmen könnt oder möchtet, aber trotzdem eure Solidarität bekunden wollt, sendet uns eure Video- oder Fotobotschaften. Wir werden diese dann gesammelt zum online Gedenken verbreiten.

“Wir klagen an und fordern Taten statt Worte: Erinnerung, Gerechtigkeit, Aufklärung, Konsequenzen! Wir trauern und erinnern uns. An Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin. Am 19. Februar ist der rassistische Anschlag in Hanau ein Jahr her.” 

So beginnt die Initiative “19. Februar Hanau” ihren Aufruf und wir wollen uns diesen Forderungen anschließen.

Wir fordern:

Erinnerung an die Opfer des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau. Wir trauern und erinnern uns. #SayTheirNames

Gerechtigkeit

Hier kann von wahrhaftiger Gerechtigkeit zwar noch lange keine Rede sein, doch fordert die Initiative 19. Februar Hanau als erste Schritte in eine gerechte Richtung, einen Rechtsterrorismus-Opferfonds in Hessen ins Leben zu rufen, um Hinterbliebene und Überlebende angemessen zu entschädigen. Über anteilnehmende Betroffenheit und Worte hinweg müssen endlich Handlungen durch die Politik erfolgen! Verbreitet und unterschreibt die Petition: https://19feb-hanau.org/2021/02/11/hessen-braucht-einen-rechtsterrorismus-opferfonds-jetzt/ 

Aufklärung

Ein Jahr nach dem rechterroristischen Anschlag lautet die schreckliche Bilanz: behördliches Versagen, Schwerfälligkeit der Ämter, Fehlverhalten von Sicherheitskräften in der Tatnacht sowie Untergehen von gravierenden Problemen im bürokratischen Sumpf. Deutlich wurde außerdem, wie allgegenwärtig institutioneller Rassismus in Deutschland ist. Die Kette des Versagens reicht von mehrmaliger Ausstellung von Waffenbesitzkarten an einen Mann, der den Behörden bereits durch seine mehrmalig getätigten paranoid schizophrenen Anzeigen bekannt gewesen war über Überlastung des polizeilichen Notrufs in der Tatnacht, blockierten Notausgängen bis hin zu respektlosem Verhalten von Beamt:innen und Vertreter:innen von Behörden und Polizei gegenüber Angehörigen, Überlebenden und selbst gegenüber den Toten. 

Diese Kette des Versagens wird die Initiative 19. Februar Hanau am 14.02. um 14 Uhr in einem Livestream nachzeichnen und das kollektive Versagen benennen und anklagen. 

Konsequenzen

Anteilnahme durch Erinnerung, Beistand und Trauer sind nur ein Teil der notwenigen Reaktion auf den rassistischen Terroranschlag. Es ist unerlässlich, endlich die politische Dimension des Anschlags anzuerkennen. Ein hessischer Opferhilfsfonds mit Ausrichtung auf „allgemeine Kriminalität“ ist bei weitem nicht ausreichend. Endlich muss verstanden werden, dass struktureller und institutioneller Rassismus alle Bereiche der Behörden und Sicherheitsapparate betrifft. Aus dieser Erkenntnis und deren Anerkennung als ersten Schritt müssen endlich politische Taten folgen und weitreichende strukturelle Veränderungen durchgesetzt werden. 

Rassismus, egal in welcher Form, darf nicht mehr geduldet, verharmlost oder ignoriert werden.

Da uns die Eindämmung des Infektionsrisikos sehr wichtig ist, rufen wir zusätzlich dazu auf, wenn möglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad zur Gedenkveranstaltung anzureisen. Vor Ort ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und Abstand von mindestens 1,5-2 Metern einzuhalten.