Eilbrief aus Bochum: Gerade jetzt!

Formulierungsvorschlag für einen Brief bzw. eine E-Mail an Thomas Eiskirch, Oberbürgermeister der Stadt Bochum. Mehr Informationen zum Aufruf hier.

An den
Oberbürgermeister der Stadt Bochum
Thomas Eiskirch
Willy-Brandt-Platz 2-6
44777 Bochum
Oberbuergermeister@bochum.de

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
lieber Herr Eiskirch,

Bochum befindet sich gerade im Ausnahmezustand – unser aller Leben wird momentan von der Verbreitung des Corona-Virus COVID-19 und den direkten und noch gar nicht absehbaren Folgen überschattet. Doch gerade jetzt müssen wir uns in Solidarität üben – mit all jenen, die die Pandemie am Härtesten trifft. Wir dürfen gerade jetzt nicht diejenigen vergessen, die seit Jahren andauernd im Ausnahmezustand leben, deren Leben permanent bedroht ist und deren Situation mit der Corona-Pandemie nun noch lebensbedrohlicher geworden ist. Ärzte ohne Grenzen hat bereits dringlich davor gewarnt, dass ein Corona-Ausbruch in einem Lager auf den griechischen Inseln nicht einzudämmen wäre und fordert eine sofortige Evakuierung der geflüchteten Menschen.

Ich wende mich deshalb heute mit der Bitte und dem Appell an Sie, öffentlich zu erklären, dass wir hier in Bochum, nach einer Evakuierung der Geflüchteten von den griechischen Inseln und der türkisch-griechischen Grenze, bereit sind, Geflüchtete aufzunehmen! Schließen Sie sich den Oberbürgermeister/innen an, die sich bisher dafür schon engagieren!

Auch wenn es derzeit aus dem Blick geraten ist: Es passiert in diesem Moment eine humanitäre Katastrophe, die sich derzeit noch verschärft. Tausende Geflüchtete sitzen an der Grenze fest und werden von beiden Seiten mit militärischer Gewalt daran gehindert sie zu überqueren. Auf den griechischen Inseln sind seit dem 01. März tausende Menschen gestrandet. Hunderte wurden auf der Insel Lesbos auf einem Marineschiff festgehalten und nun in ein Abschiebelager gesperrt – die Regierung hat das Asylrecht für einen Monat ausgesetzt. Am 16.3. ist im Camp Moria ein verheerendes Feuer ausgebrochen, bei dem mehrere Menschen (darunter ein Kind) starben. In Moria leben schon jetzt rund 20.000 Menschen unter elendsten Bedingungen, rund 7.000 sind unbegleitete Minderjährige. Seit Wochen bereitet die griechische Regierung gegen massive Widerstände den Bau von geschlossenen Lagern vor. In dieser Situation – bar jeglicher hygienischer und medizinischer Versorgung – wäre die Ausbreitung des Corona-Virus eine unvorstellbare Katastrophe!

Dazu kommt, dass viele bestehende Hilfestrukturen zerstört wurden: Seit dem 01. März eskaliert die rechtsextreme Gewalt, Helfer*innen und Journalist*innen werden massiv angegriffen und von der Insel vertrieben, die Schule eines Schweizer Hilfsprojekts wurde niedergebrannt. Wir können die Menschen jetzt nicht einfach ihren Schicksal überlassen!

Die Bundesregierung hat zwar beschlossen die Aufnahme von 1500 Kindern nach Europa zu organisieren. Dass das nicht ausreicht, sehen und wissen wir alle! Die Verantwortung kann in dieser Situation nicht hin und her geschoben werden. Alle, die politische Verantwortung tragen, sind jetzt gefordert! Bitte folgen Sie dem Beispiel anderer Städte: Am 5. März haben die Oberbürgermeister/innen von sieben Städten – darunter Köln und Düsseldorf – bereits öffentlich erklärt, dass sie bereit sind, sofort Geflüchtete aufzunehmen und aus NRW-Städten folgten weitere Erklärungen.

Lieber Herr Eiskirch, Bochum hat sich letztes Jahr zum „sicheren Hafen“ erklärt und damit ein Signal gesendet, dass wir eine solidarische Stadt sind, die Geflüchtete willkommen heißt.  Ich bitte Sie deshalb: Machen Sie nun ernst und erklären Sie öffentlich, dass Sie eine Evakuierung der Geflüchteten unterstützen und wir hier auch bereit sind Geflüchtete aufzunehmen! Ich bin überzeugt: Sie werden sehr viele Menschen in Bochum hinter sich haben – trotz und wegen Corona! 

Mit freundlichen Grüßen und auf Ihr Engagement hoffend,
[Name]